Johnson, Uwe

Verfasser: 
lic

Uwe Johnson

Eig. Uwe Klaus Dietrich Johnson, deutscher Schriftsteller (Kammin, 20.7.1934 – Sheerness-on-Sea, 23/24.2.1984)

Er wird als erstes Kind von Erich und Erna Johnson in Kammin/Pommern geboren, wuchs in Anklam auf und war von Juli 1944 bis Februar 1945 Internatsschüler der nationalsozialistischen ‘Deutschen Heimschule’ in Kosten/Posen. Ende des Krieges flüchtet die Familie 1945 nach Recknitz in Mecklenburg und übersiedelt 1946 nach Güstrow, wo Uwe Johnson die John-Brinckman-Oberschule besucht. Seit 1949 ist er Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ), wird dort Jungfunktionär und erhält das ‘Abzeichen für Gutes Wissen’ in Bronze. Nach dem Abitur 1952 beginnt er ein Germanistikstudium in Rostock. 1953 widersetzt er sich dem Auftrag der FDJ-Leitung, Mitglieder der Güstrower evangelischen ‘Jungen Gemeinde’ öffentlich zu diffamieren. Deshalb muss er die Universität Rostock verlassen. Er setzt sein Germanistikstudium an der Karl-Marx-Universität in Leipzig fort. 1956 beendet er sein Studium bei Hans Mayer mit einer Klausurarbeit über den Gestohlenen Mond von Ernst Barlach, in der er sich kritisch mit dem Staat Ulbrichts und dessen literarischen Theorien auseinandersetzt. In dieser Zeit vollendet Johnson das Manuskript seines ersten Romans Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953. Er reicht das Manuskript bei einigen Verlagen ein, die jedoch Änderungen den politischen Gehalt betreffend verlangen. Zu einer Publikation kommt es nicht, da sich der Autor weigert, die Änderungen vorzunehmen. Peter Suhrkamp erkennt Uwe Johnsons schriftstellerisches Talent und gibt 1959 dessen ersten Roman Mutmaßungen über Jakob heraus. Im Zuge dessen legt der Autor seine DDR-Staatsbürger­schaft zurück und übersiedelt nach Westberlin.

Im Oktober 1959 ist er zum ersten Mal Gast bei einer Tagung der ‘Gruppe 47’. 1961 unternimmt Johnson seine erste Reise in die USA. Er besucht William Faulkner in Charlottesville. 1962 wird Johnson für ein Stipendium der Villa Massimo in Rom vorgeschlagen. Eine Auseinandersetzung mit Hermann Kesten, der ihn fälschlicherweise bezichtigt, er habe in Mailand den Bau der Berliner Mauer gerechtfertigt, führt zu einer Intervention des Fraktionschefs der CDU, Heinrich von Brentano, der Johnson auffordert, auf das Stipendium zu verzichten. Der Autor kann die Vorwürfe widerlegen und nimmt das Stipendium an. Im gleichen Jahr heiratet er Elisabeth Schmidt. Das Ehepaar besucht im März Hermann Hesse im Tessin. Johnson ist auch mit Ingeborg Bachmann und Hans Werner Richter befreundet. 1965 fliegt er mit Günter Grass in die USA. Von 1966 bis 1968 hält er sich in New York auf. Seine Adresse in New York ist zugleich auch die Adresse von Gesine Cresspahl und ihrer Tochter Marie. 1968 knüpft er Kontakte zur Journalistin Dr. Margret Antonie Boveri. 1970 verbringt er den Sommer mit seiner Familie in Ingeborg Bachmanns Wohnung in Rom. 1973 besucht er den Übersetzer Michael Hamburger in Middlesex und bereitet mit Hans Mayer und Karin Kiwus ein Kolloquium über Samuel Beckett vor. 1974 übersiedelt er nach Sheerness-on-Sea auf der englischen Kanalinsel Sheppey. 1975 unterbricht er seine Schreibarbeit auf Grund einer schweren persönlichen Krise, deren Folge ein Herzinfarkt und eine Schreibhemmung sind. Im Jahre 1977 wird er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, 1979 Gastdozent für Poetik an der Universität Frankfurt. Er tritt aus der Darmstädter Akademie aus, weil in einem offiziellen Katalog der Eindruck erweckt wird, als sei es ihm nicht gelungen, die Äußerungen Hermann Kestens von 1961 zu widerlegen. 1980 beendet er seine Freundschaft mit seinem Studien- und Lebensfreund Manfred Bierwisch. Am 5. November 1983 trifft er in Zürich Max Frisch, der ihm seine New Yorker Wohnung für einen einjährigen USA-Aufenthalt zur Verfügung stellt. Aufgrund eines Herzinfarktes muss er seine Lesereise nach der Frankfurter Buchmesse unterbrechen.

Johnson stirbt vermutlich in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 1984 in seinem Haus in Sheerness-on-Sea, er wird jedoch erst am 13. März aufgefunden.

Preise und Auszeichnungen

1960 Fontane-Preis der Stadt Berlin

1962 Stipendium der Villa Massimo in Rom

1962 Prix International de la Littérature

1967 Ernennung zum ‘Knight of Mark Twain’

1971 Georg-Büchner-Preis

1975 Wilhelm-Raabe-Preis der Stadt Braunschweig

1979 Thomas-Mann-Preis der Hansestadt Lübeck

1983 Literaturpreis der Stadt Köln

Quellen

Fellinger, Raimund. 1992. Über Uwe Johnson. Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlag.

Grambow, Jürgen. 1997. Uwe Johnson. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Schmitz, Walter. 1984. Uwe Johnson. München: C.H. Beck.

Schwarz, Wilhelm Johannes. 1970. Der Erzähler Uwe Johnson. Berlin/München: Francke.